Vom Reststoff zur Wertschöpfung
Korrosionsschutzlacke erfordern häufig den Einsatz ökologisch und gesundheitlich kritischer Rohstoffe. Natürliche Phosphorverbindungen sind nach Forschungen der Firma Oellers mit der Hochschule Niederrhein eine interessante Alternative. Diese Rohstoffe in die Lackchemie zu integrieren und gleichzeitig in großen Mengen aus landwirtschaftlichen Reststoffen verfügbar zu machen, damit setzt sich die Farbenfabrik Oellers mit ihren Partnern seit einiger Zeit auseinander.
Farben, Lacke und Beschichtungen für alle Arten von industriellen und handwerklichen Anwendungen – das ist seit vielen Jahrzehnten das Geschäftsfeld der Farbenfabrik Oellers aus Aldenhoven bei Jülich. „Zu einem besonderen Schwerpunkt hat sich in den vergangenen Jahren das Thema Korrosionsschutz entwickelt“, erzählt Paul Oellers, Geschäftsführer der Oellers Immex Produktions- und Vertriebs GmbH & Co. KG in zweiter Familiengeneration. Wer etwa Maschinen und Anlagen, Container oder Brückenbauteile besonders schützen möchte, wendet sich zum Beispiel an das rheinische Unternehmen. Das Problem beim Korrosionsschutz: Er erfordert häufig den Einsatz von ökologisch bedenklichen Chemikalien. Diese sollen aber nach und nach vom Markt verschwinden. Lange Zeit war es nicht möglich, einen hochwertigen Korrosionsschutz mit nachhaltigen und ungiftigen Stoffen zu erreichen. Doch im Rahmen des Projektes „BIOPHOSCOAT“ ist es dem Unternehmen nun gemeinsam mit Partnern gelungen, neue, biobasierte Funktionsstoffe für den Korrosionsschutz zu entwickeln.
Im Mittelpunkt steht die Nutzung von Phytinsäure, einer phosphorhaltigen Verbindung pflanzlichen Ursprungs. Im Projekt wurde Phytinsäure zunächst aus Ölsaaten hergestellt. Die Säure ist natürlichen Ursprungs und ungiftig. „Umfangreiche Untersuchungen innerhalb des Projekts haben gezeigt, dass sich aus Phytinsäure ein Additiv für die Lackindustrie herstellen lässt, das herkömmliche Korrosionsinhibitoren nicht nur ersetzt, sondern dem Schutzlack sogar noch bessere Eigenschaften gibt und den Korrosionsschutz verlängert“, sagt Oellers. Projektpartner sind die Hochschule Niederrhein und die ASA Spezialenzyme GmbH. Ziel ist es, zu industriell einsetzbaren Lösungen zu gelangen. In einem weiteren Projekt – „P-REX“ – geht die Entwicklung sogar noch einen wichtigen Schritt weiter: Gemeinsam entwickeln die Farbenfabrik Oellers, die 3WIN Maschinenbau GmbH, die Hochschule Niederrhein, das Deutsche Textilforschungszentrum Nord-West gGmbH und ein landwirtschaftlicher Betrieb ein neuartiges Verfahren, mit dem Phytinsäure aus Schweinegülle zurückgewonnen werden kann. Kern des Verfahrens sind speziell entwickelte Textilien, die eine gezielte Abtrennung ermöglichen. Damit ist die Innovation der Projektpartner mindestens in zweifacher Hinsicht nachhaltig und ressourcenschonend: Der Entzug der Phytinsäure reduziert den Phosphorgehalt von Gülle, die weltweit in großen Mengen anfällt, und reduziert damit deren Belastung beispielsweise für Gewässer. Und die Lackchemie erhält einen nachhaltigen, biobasierten Rohstoff für den Korrosionsschutz. Die verbleibende Gülle kann direkt als Düngemittel genutzt werden, die enthaltene Phytinsäure hingegen, die sich laut Oellers ohnehin nur eingeschränkt als Düngemittel eignet, kann ihre Stärken im Korrosionsschutz ausspielen.
„Beide Projekte zeigen, wie wichtig eine enge Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sind“, sagt Oellers. Die Bedeutung der Hochschule Niederrhein für sein Unternehmen sei gar nicht hoch genug einzuschätzen. „Dort gibt es eine enorme Kompetenz rund um die Chemie und Biotechnologie. Insbesondere bildet die Hochschule als eine von wenigen in Deutschland Lackingenieurinnen und -ingenieure aus“, freut sich der Unternehmer mit Blick auf den eigenen Fachkräftebedarf. Auch die FH Aachen mit ihrem Institut für Angewandte Polymerchemie sei wichtig. „Überhaupt ist NRW eine exzellente Wissenschaftsregion, das ist ein enormer Standortvorteil“, betont Oellers. „Dank der Offenheit beider Seiten für gemeinsame Projekte gelangen Forschungsergebnisse aus dem Labor schneller in die Praxis und können in die industrielle Anwendung überführt werden.“
Diese Erfolgsgeschichte einer innovativen Transformation wurde im März 2026 veröffentlicht. Es finden im Anschluss keine Aktualisierungen bzw. Prüfungen der Angaben statt.
Die Publikationsreihe „Transformation durch Innovation“ soll veranschaulichen, wie Unternehmen in NRW, dank der durch das Land NRW geschaffenen Rahmenbedingungen, erfolgreiche Innovationsgeschichten schreiben konnten.
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