Neues Verfahren zur Peptid- und Proteinherstellung
Das Düsseldorfer Unternehmen hat ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Peptide und Proteine, die unter anderem in der Medizin eine wichtige Rolle spielen, nachhaltig und kostengünstig herstellen lassen. Dafür erhielten der Firmengründer und sein früherer Doktorvater den Innovationspreis NRW 2025.
Peptide und Proteine werden für zahlreiche Anwendungen benötigt. Zum Einsatz kommen sie beispielsweise in Medikamenten für Menschen und Tiere, in Agrokulturen, Kosmetikprodukten oder Klebstoffen. Bisher werden Peptide, also „kleine Eiweiße“, vor allem chemisch synthetisiert. Das Problem: Bei der Herstellung eines Kilogramms Peptid durch chemische Synthese fallen über 20 Tonnen toxischer Abfälle an. Dadurch entsteht, inklusive der nötigen Entsorgung, ein enormer CO2-Fußabdruck. Diesen Ressourcenverbrauch und die Emissionen müsste man erheblich senken können, dachte sich der Wissenschaftler Dr. Christian Schwarz.
“Mit dieser patentierten Technologie lassen sich die Produktionszeiten um 75 Prozent und die Kosten um über 60 Prozent reduzieren – dadurch können Wirkstoffe schneller, günstiger und sicherer entwickelt werden.”
Die Idee von Dr. Schwarz: das chemische durch ein wasserbasiertes Bioverfahren zu ersetzen, das nachwachsende Rohstoffe und ungiftige Reagenzien nutzt. In seiner Promotion bei Prof. Dr. Lutz Schmitt, Inhaber des Lehrstuhls für Biochemie I der Heinrich-Heine-Universität (HHU) Düsseldorf, arbeitete Dr. Schwarz die Idee aus. Nach Abschluss der Promotion entwickelte er als Gastwissenschaftler die Technologie gemeinsam mit seinem Doktorvater und weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern weiter. Schließlich konnte er Investoren überzeugen und gründete 2017 gemeinsam mit dem Betriebswirt Philipp Bürling in Düsseldorf die Numaferm GmbH. In den folgenden Jahren entstand dort eine Produktionsplattform für Peptide und Proteine: „Numaswitch“. „Mit dieser patentierten Technologie lassen sich die Produktionszeiten um 75 Prozent und die Kosten um über 60 Prozent reduzieren“, erklärt Schwarz, „dadurch können Wirkstoffe schneller, günstiger und sicherer entwickelt werden.“ Dies sei ein enormer Fortschritt für die Medizin. Kern der Innovation sind sogenannte Switchtag-Proteine, die Peptide und Proteine in großen Mengen als inaktive Aggregate produzieren. Durch einen simplen Prozess mit Calcium-Ionen werden sie aktiviert – unabhängig von Struktur oder Art des Peptids. Diese neuartige Plattform bietet nach Firmenangaben bisher unerreichte Reinheit und Sicherheit. Ursprünglich auf Peptide spezialisiert, hat Numaferm das Angebot auf Proteine – also größere Peptide – ausgeweitet. Damit lassen sich deutlich größere Märkte erschließen. Neben der Prozessentwicklung für die Peptid- und Proteinproduktion brachte das Unternehmen 2023 mit „Numacut“ das erste eigenständige Produkt auf den Markt. Dieses Enzym verbessert Produktionsprozesse und führt zu sichereren – weil vollständig naturgetreuen – und günstigeren Wirkstoffen. Medikamente werden dadurch noch verträglicher und können schneller auf den Markt kommen. Weitere Produkte befinden sich in der Entwicklung.
Für dieses nachhaltige Bioverfahren zur Herstellung von Peptiden und Proteinen erhielten Schwarz und Schmitt den Innovationspreis NRW 2025 in der Kategorie „innovation2business“.
Die Numaferm GmbH ist ein Spin-off des Instituts für Biochemie der HHU. Die Verbindungen zu dieser und anderen Hochschulen in NRW sind auch weiterhin eng. „Wir arbeiten regelmäßig mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen hier in unserem Umfeld zusammen und profitieren enorm von der hohen Forschungsdichte in NRW“, sagt Schwarz. Als Beispiel nennt er eine Kooperation mit dem Forschungszentrum Jülich, an der auch die HHU und andere Forschungspartner beteiligt sind. Die Hochschullandschaft biete Unternehmen wie Numaferm zugleich ein hohes Fachkräfte-Reservoir. Schwarz lobt zudem die vielen Förderinstrumente, mit denen das Land NRW Forschung & Entwicklung unterstützt. „Was wir an unserem Standort außerdem schätzen“, sagt Schwarz, „ist die hohe Industriedichte.“ Insbesondere Pharmaunternehmen sind wichtige Geschäftspartner für Numaferm. Darüber hinaus nutzt das Unternehmen regelmäßig die Angebote von Netzwerken wie BioRiver – Life Science im Rheinland e. V. und insbesondere BIO.NRW. Dieses Netzwerk organisiert auch die Beteiligung von NRW-Unternehmen an weltweiten Fachmessen und bietet regelmäßig Veranstaltungen. „Davon“, betont Schwarz, „profitieren wir sehr.“
Diese Erfolgsgeschichte einer innovativen Transformation wurde im November 2025 veröffentlicht. Es finden im Anschluss keine Aktualisierungen bzw. Prüfungen der Angaben statt.
Die Publikationsreihe „Transformation durch Innovation“ soll veranschaulichen, wie Unternehmen in NRW, dank der durch das Land NRW geschaffenen Rahmenbedingungen, erfolgreiche Innovationsgeschichten schreiben konnten.
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