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Erfolgsgeschichten aus NRW

CIRCULARMED GmbH

Mehr Recycling von Medizinabfällen
In Kliniken und Krankenhäusern fallen Tag für Tag große Abfallmengen an. Die Recyclingquote ist bisher niedrig. Das Bonner Unternehmen CIRCULARMED möchte das ändern und einen effizienten, nachhaltigen Umgang mit medizinischem Abfall fördern.

Die Herausforderung

Es gibt in Deutschland über 1.800 Krankenhäuser und fast 100.000 Arztpraxen. Dort fallen täglich jede Menge medizinischer Abfälle an. Allein in den Krankenhäusern kommen nach Auskunft des Unternehmens CIRCULARMED pro Jahr 4,2 Millionen Tonnen zusammen. Das reicht von Spritzen und Verbänden über Schläuche und Kanülen bis zu Einweginstrumenten. „Allerdings liegt die Recyclingquote derzeit unter 30 Prozent“, sagt Meike Lutz, Geschäftsführerin von CIRCULARMED. Das ist sehr wenig, verglichen mit der allgemeinen durchschnittlichen Recyclingquote für Abfall in Deutschland, die bei knapp 70 Prozent liegt. Das Problem: Selbst die sich aus der Pflege von Patientinnen und Patienten ergebenden nicht infektiösen medizinischen Abfälle (für Fachleute: Abfallschlüssel 180104) müssen energetisch verwertet, also verbrannt werden. „Laut Weltgesundheitsorganisation sind aber 85 Prozent der in Krankenhäusern entstehenden Abfälle Wertstoffe, die recycelt werden könnten“, berichtet Lutz. Genau das hat sich das von Michael Schmitz 2023 in Bonn gegründete Unternehmen vorgenommen: Es möchte den Ressourcenverbrauch in Kliniken reduzieren, die Recyclingquote steigern und perspektivisch eine Kreislaufwirtschaft etablieren.

Beauftragt durch:

  • Fotos: CIRCULARMED GmbH
  • Text: Lothar Schmitz, Wirtschaftsjournalist Bonn
  • Veröffentlichung: September 2025

Meike Lutz, CEO von CIRCULARMED GmbH

“Wir wollen in den nächsten Jahren ein bundesweites Recyclingprogramm für derartige Abfälle etablieren”

Die Innovation

Nicht nur die komplexen rechtlichen Bestimmungen zu medizinischen Abfällen sind ein Hindernis. „Die Kliniken arbeiten unter enormem Kostendruck und mit unbedingtem Fokus auf die Patientinnen und Patienten. Recycling hat deshalb schlicht keine Priorität“, weiß Firmengründer Michael Schmitz auch aus eigener Anschauung, denn er leitet im Hauptberuf die Abteilung Infrastrukturservice des Universitätsklinikums Bonn. Meike Lutz und er lernten sich 2021 kennen und setzten in unterschiedlichen Rollen mehrere Projekte gemeinsam um. „Wir stellten schnell fest, dass wir eine gemeinsame Vision haben“, erzählt Lutz. Diese verfolgen sie mittlerweile mit ihrem CIRCULARMED-Team. Als erste Stufe bieten sie Kliniken an, ihr Abfallmanagement zu standardisieren. CIRCULARMED berät Abfallbeauftragte und hat eine digitale Plattform entwickelt, mit der sich sämtliche Abfallprozesse eines Krankenhauses erfassen und standardisieren lassen. Auf dieser Grundlage können die Kliniken dann ihre Abfallströme optimieren. Beispiel: Jede einzelne Injektion verursacht unterschiedliche Abfallarten – ein Paar Einmalhandschuhe, die Verpackung, die eigentliche Spritze. Letztere muss als spitzer Gegenstand speziell entsorgt werden. „Für Handschuhe und das Verpackungsmaterial ließe sich aber ein Sammel- und Rücknahmesystem schaffen, um diesen Teil des Abfalls dem Recycling zuführen zu können“, sagt Lutz, „das wäre rechtlich schon jetzt zulässig, verursacht aber noch einen enormen logistischen Aufwand.“ Stufe 3: „Wir wollen in den nächsten Jahren ein bundesweites Recyclingprogramm für derartige Abfälle etablieren“, betont die Geschäftsführerin. Die Abfälle würden systematisch gesammelt, bei Bedarf dekontaminiert und dann recycelt. Dafür baut CIRCULARMED die nötigen Netzwerke auf.

Der NRW-Effekt/Der Standort

Ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zu einem bundesweiten Recyclingprogramm ist bereits getan: Zusammen mit der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen e. V. (KGNW) wird CIRCULARMED den nach eigenen Angaben ersten einheitlichen Standard für ein nachhaltiges und digitales Abfall- und Wertstoffmanagement in Krankenhäusern entwickeln. Das Projekt wird im Rahmen des Wettbewerbs GrüneGründungen.NRW gefördert durch Land und EU. Nicht nur dieses Förderprogramm macht NRW für das junge Unternehmen zu einem interessanten Standort. „Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen legt politisch viel Wert auf das Thema Nachhaltigkeit“, freut sich Lutz, „genau diesen Rückenwind benötigen wir.“ Zudem gebe es in NRW eine hohe Klinikdichte und somit viele Interessierte für ein effizienteres, nachhaltiges Abfallsystem.

Diese Erfolgsgeschichte einer innovativen Transformation wurde im September 2025 veröffentlicht. Es finden im Anschluss keine Aktualisierungen bzw. Prüfungen der Angaben statt.

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