Skip to main content
Erfolgsgeschichten aus NRW

carboliq GmbH

Neue Wege im Kunststoffrecycling
Ohne Kunststoff geht es nicht. Doch nimmt der regulatorische Druck zu, beispielsweise bei Kunststoffverpackungen den Anteil von Rezyklat zu erhöhen, um Ressourcen zu schonen und den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. Das Unternehmen carboliq aus Remscheid hat sich auf chemisches Recycling spezialisiert und hilft damit der Industrie, die Vorgaben der Verpackungsverordnung zu erfüllen.

Die Herausforderung

Bis 2030 müssen PET-Verpackungen 30 Prozent Rezyklat enthalten, kontaktempfindliche Verpackungen aus anderen Kunststoffen zehn Prozent. So sieht es die Europäische Verpackungsverordnung vor. „Um dieses Rezyklat mit den gewünschten Materialeigenschaften zu erzeugen, insbesondere aus Mischkunststoffen, braucht es chemisches Recycling“, sagt Dr. Harald Klein, Geschäftsführer der carboliq GmbH aus Remscheid. Bisher werde Kunststoff vor allem mechanisch recycelt, das sei einfacher und preiswerter. Die Methode sei aber nur begrenzt anwendbar, denn sie sei für den Einsatz mit Lebensmittelkontakt, ausgenommen von PET, nicht zugelassen und sorge darüber hinaus für Qualitätsverluste. „In der Regel führt das zu Downcycling, die erzeugten Rezyklate können zum Beispiel für Parkbänke oder Blumentopf-Untersetzer verwendet werden, aber nicht für Lebensmittelverpackungen“, erklärt Klein. Insbesondere wenn die Kunststoffabfälle nicht sortenrein seien. Deshalb würden viele Mischkunststoffe thermisch entsorgt, sprich: verbrannt. „Damit gehen wertvolle Rohstoffe verloren, außerdem verschlechtert es den CO₂-Fußabdruck“, kritisiert der Chemiker. Der Ansatz seines Unternehmens: chemisches Recycling.

Beauftragt durch:

  • Fotos: carboliq GmbH
  • Text: Lothar Schmitz, Wirtschaftsjournalist Bonn
  • Veröffentlichung: Januar 2026

Die Innovation

Entstanden aus dem Ingenieurdienstleister RECENSO, hat sich die 2017 gegründete carboliq GmbH auf die Rückführung von Kunststoffabfällen in den Wertstoffkreislauf insbesondere in Form des chemischen Recyclings spezialisiert. In Ennigerloh bei Münster betreibt carboliq dazu eine industrielle Pilotanlage mit einer Kapazität von 1.000 Tonnen pro Jahr. „Das ist unser Demonstrator, wir sammeln seit 2021 umfangreiche Erfahrungen und zeigen im echten 24-Stunden-Betrieb, was möglich ist“, erläutert Klein, der seit Herbst 2024 die Geschäfte von carboliq führt. Dabei setzt das Unternehmen nicht auf Pyrolyse, sondern auf ein innovatives Verfahren der Verflüssigung. Das Verfahren funktioniert bei Temperaturen unter 400 Grad in der Flüssigphase, bei der die festen Kunststoffabfälle zugeführt werden. Ein Katalysator zerkleinert die Kunststoffketten, bis sie flüssig werden. Die zerkleinerten, flüssigen Kunststoffketten verdampfen, wenn ihre Siedetemperatur unter die der Flüssigphase gefallen ist, und werden dann als Produktöl, einer erdölähnlichen Flüssigkeit, gewonnen. Das Verfahren sei robuster und kostengünstiger als Pyrolyse-Verfahren und spare zudem Energie, weil die notwendige Temperatur um etwa 200 Grad geringer sei. Die Öl-Substanz liefert carboliq an die Industrie, die daraus neuen Kunststoff mit Rezyklat-Anteil herstellt und damit die Anforderungen der EU-Verordnung erfüllen kann. Schon jetzt – Stand: Februar 2026 – verkauft carboliq, das sich noch als Start-up versteht, mehrere hundert Tonnen seines recycelten Kunststoff-Öls, führt Förderprojekte sowie Testprojekte für Kunden durch. Damit schreibt das Unternehmen noch rote Zahlen. „Wir gehen jedoch davon aus, dass unser Verfahren die Zukunft ist“, betont Klein. Deshalb plant carboliq in Dormagen eine Anlage, die um den Faktor 10 größer ist als diejenige bei Münster. 2026 erfolgt das komplette Engineering, 2027 soll gebaut werden. Mitte 2028 will carboliq dort die Produktion aufnehmen.

Der NRW-Effekt/Der Standort

Insgesamt 50 Millionen Euro fließen in das Projekt in Dormagen, davon sind 20 Millionen Euro Mittel aus dem NRW-Förderprogramm „Produktives.NRW“. Damit ist bereits einer der Pluspunkte des Unternehmensstandorts benannt. „Mit unserem Firmensitz in Remscheid, der Pilotanlage bei Münster und der ersten großen Produktionsanlage in Dormagen bekennen wir uns zum Standort NRW“, sagt Geschäftsführer Klein. Hier gebe es spannende Förderprogramme sowie mehrere hilfreiche Netzwerke rund um die Themen Kunststoff und Recycling. So ist carboliq beispielsweise Mitglied im Landeskompetenznetz kunststoffland NRW e. V. Außerdem kooperiert das Unternehmen in Sachen Forschung und Entwicklung regelmäßig mit NRW-Hochschulen, etwa der Ruhr-Universität Bochum oder der FH Aachen.

Diese Erfolgsgeschichte einer innovativen Transformation wurde im Januar 2026 veröffentlicht. Es finden im Anschluss keine Aktualisierungen bzw. Prüfungen der Angaben statt.

Mehr zum Thema Produktion

Transformation durch Innovation

Hintergrund der Publikationsreihe

Die Publikationsreihe „Transformation durch Innovation“ soll veranschaulichen, wie Unternehmen in NRW, dank der durch das Land NRW geschaffenen Rahmenbedingungen, erfolgreiche Innovationsgeschichten schreiben konnten.

Sie haben Interesse in einer zukünftigen Auflage präsentiert zu werden?
Dann melden Sie sich mit Ihrem Anliegen unter: